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Wanderurlaub in Südfrankreich

Im Frühjahr 2019 war ich für einen wunderschönen Wanderurlaub in Südfrankreich. Ich hatte eine Unterkunft in Marseille und habe von dort aus Tagestouren in der Umgebung von Marseille unternommen. Rund um Marseille lässt es sich ausgezeichnet entlang der Mittelmeerküste wandern und auch im Hinterland gibt es viele schöne Wandermöglichkeiten.

Archipel du Frioul

Die Frioul-Inseln liegen in der Bucht von Marseille und können vom Vieux Port aus mit dem Schiff erreicht werden. Zum Wandern geeignet sind die durch einen Damm miteinander verbundenen Inseln Ratonneau und Pomègues; interessant kann aber auch ein Besuch der Île d’If sein.

Ich bin zuerst zur Île d’If gefahren. Dort kann das Château d’If besichtigt werden. Die Festungs- und Gefängnisanlage ist ganz interessant zu sehen, vor allem, wenn man sowieso schon auf dem Archipel du Frioul unterwegs sein möchte. Außerdem hat man von hier aus einen guten Blick auf Marseille und die benachbarten Inseln. Für den Besuch ist ca. eine Stunde ausreichend.

Von der Île d’If bin ich weiter zur Île Ratonneau gefahren. Der erste Teil der Wanderung, vom Hafen zum Hôpital Caroline ist relativ flach; unterwegs lädt der Plage de Saint-Estève zum Baden ein. Den weiteren Weg zum Cap de Croix kann ich nur bedingt empfehlen – im Frühjahr brüten hier zahlreiche Möwen und diese Verteidigen ihr Revier nachdrücklich. Ich würde daher vor allem im Frühjahr empfehlen, eher zum Fort de Ratonneau aufzusteigen und von dort den Blick auf die Bucht von Marseille und die Côte Bleue zu genießen.

Von der Festungsanlage geht es zurück zum Hafen und dann über den Damm auf die Île Pomègues. Dort geht es über Schotterpisten und kleine Wanderpfade einmal um die Insel herum. Immer wieder laden kleine Buchten zum Verweilen ein. Auch hier gilt für das letzte Stück des Weges zum Cap Caveaux: Vorsicht vor den Möwen.

Côte Bleue

Westlich von Marseille liegt die Côte Bleue, an der es sich auch ausgezeichnet wandern lässt. Gestartet habe ich meine Wanderung in Carry-le-Rouet und von dort aus ging es über La Redonne nach Niolon. Das erste Stück der Wanderung, von Carry-le-Rouet nach La Redonne, kann ich im Nachhinein nur bedingt zum Wandern empfehlen. Zwar gibt es unterwegs ein oder zwei schöne Ausblicke auf die Küste, ein Großteil des Weges verläuft jedoch abseits der Küste und auf Asphaltwegen durch Ortschaften hindurch. Daher würde ich empfehlen, die Wanderung erst in La Redonne zu starten.

Die Wanderung zwischen La Redonne und Niolon war dafür umso schöner, überwiegend auf schmalen Pfaden des Sentier du Douanier (dt. Zöllnerweg) ging es entlag der blauen Küste – und diesen Namen trägt die Küste zurecht, denn das Wasser entlang des Weges ist herrlich blau und klar. Unterwegs laden einige Calanques zum Pause machen und baden ein. Immer wieder hat man fantastische Ausblicke auf die Küste, die Îles Frioul und Marseille. Auf diesem Abschnitt hat mir das Wandern richtig Spaß gemacht, es ist definitiv einer der schönsten Wanderwege in der Gegend um Marseille.

Blick auf eine felsige Bucht mit einer Turmruine
Die Calanque de l’Érevine mit der Île de l’Érevine

Kurz vor Niolon bietet sich noch die Möglichkeit, einen Abstecher in das Hinterland zu machen. Auch dort gibt es schöne Wanderwege durch einsame Landschaften und von mehreren Stellen aus gibt es schöne Ausblicke auf die Bucht von Marseille. Zudem bin ich hinter Niolon noch ein kleines Stück weiter entlang der Küste gewandert. Dort führt nochmals ein schöner Wanderpfad entlang der Küste zur Calanque de Figuerolles. Durch das Hinterland bin ich schließlich zurück zum Bahnhof von Niolon gewandert.

Calanques und Cap Canaille

Die Calanques waren der Höhepunkt meiner Wanderreise um Marseille. Durch wunderschöne Landschaften geht es entlang der Küste, eine Wanderung in den Calanques ist ein einzigartiges Erlebnis. Auf meiner Wanderung habe ich mich ungefähr am GR98 orientiert, der von Marseille nach Cassis führt. Da die Strecke recht lang ist, habe ich sie mir auf zwei Tage aufgeteilt. Am dritten Tag bin ich dann noch weiter von Cassis aus über das Cap Canaille nach La Ciotat gewandert.

Am ersten Tag begann meine Wanderung früh morgens in La Madrague. Von hier aus ging es erst mal durch die Ausläufer der Calanques bis nach Callelongue – hier beginnen dann die eigentlichen Calanques. Auf steinigen Wegen geht es immer entlang der Küste, die felsige Landschaft ist spektakulär; jede Calanque sieht anders aus und hat ihre ganz eigene Atmosphäre.

Auf Höhe der Calanque de Podestat führt der GR98 etwas von der Küste weg, stattdessen führt ein kleinerer (markierter) Pfad unmittelbar an der Küste entlang. Diesen Pfad bin ich gegangen, allerdings hat dieser Weg einen höheren Schwierigkeitsgrad als der GR98. An mehreren Punkten gibt es Kletterstellen, die mit Seilen bzw. Ketten gesichert sind; da man dort direkt über dem „Abgrund“ klettert, ist in jedem Fall Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig. Wer sich solche Passagen nicht zutraut, sollte lieber auf dem GR98 bleiben.

Felsige Küste mit kleinen Buchten
Die Küste der Calanques, im Hintergrund das Cap Canaille

Im weiteren Verlauf der Wanderung erreicht man die Calanque de Sormiou. In dieser Calanque gibt es sogar einen Sandstrand, der zum Pause machen und Baden einlädt. Von dort aus bin ich noch ein kleines Stück weiter bis zur Calanque de Morgiou gelaufen, an der ein malerisches Dorf zwischen den Felsen liegt. Der Campus de Luminy ist von hier aus nicht weit und bietet sich als Endpunkt für die erste Etappe an.

Am zweiten Tag startet ich meine Wanderung dort, wo ich meine Wanderung am Vortag beendet hatte: am Campus de Luminy. Erneut ging es in Richtung der Calanque de Morgiou und von dort aus weiter entlang an der spektakulären Küste.

Blick auf eine Bucht mit blauem Wasser
Der Ausblick vom Wanderweg auf die Calanque de Morgiou

Auf Höhe der Calanque de Sugiton muss man sich erneut für einen Weg entscheiden. Etwas weiter entfernt von der Küste verläuft der GR98, direkt entlang der Küste verläuft ein lokaler (markierter) Wanderweg. Anfangs ist dieser andere Wanderweg noch sehr gut zu gehen, zum Schluss wird er jedoch sehr anspruchsvoll und sollte nur von geübten Wanderern begangen werden. An der Calanque de l’Œil de Verre erfolgt ein sehr steiler Aufstieg mit einigen Kletterstellen und über loses Gestein. Die Kletterstellen sind nur teilweise mit Katten oder anderen Hilfsmitteln ausgestattet – manchmal muss auch ohne Hilfsmittel direkt am Fels geklettert werden. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und ausreichend Kraft und Ausdauer sind unbedingt nötig, um den Aufstieg zu schaffen. Dafür ist es allerdings ein einmaliges Erlebnis. In diesem YouTube-Video bekommt man einen kleinen Eindruck vom Aufstieg.

Blick zwischen Felsen hindurch auf das Meer
Blick vom Wanderweg aufs Meer

Im folgenden Verlauf der Wanderung kann man dem GR98 folgen, ich kann jedoch noch zwei Abstecher empfehlen: Vom Aussichtspunkt Belvédère d’En-Vau, der etwas abseits des Weges liegt, bietet sich ein wundervoller Ausblick auf die umliegenden Calanques und außerdem ist er ein toller Picknickplatz. Ebenso lohnt sich ein Umweg zwischen der Calanque d’En-Vau und der Calanque de Port-Pin. Auch hier bieten sich wundervolle Ausblicke kurz bevor Cassis erreicht wird.

Am dritten Tag führte mich meine Wanderung schließlich von Cassis aus nach La Ciotat. Zugegeben, anfangs war die Wanderung nicht besonders schön, denn es ging auf einer engen Straße durch Cassis und dann führte der Weg entlang einer Landstraße ziemlich steil hinauf. Nach diesem Anstieg wurde die Wanderung dafür dann umso schöner – der Weg führte von der Straße weg und hin zur spektakulären Steilküste. Von den höchsten Steilklippen Frankreichs aus bot sich ein hervorragender Blick auf Cassis und die Calanques. Und natürlich lohnt auch ein Blick nach unten auf das in mehreren Hundert Metern Tiefe liegende Meer.

Hoch aufragende Steilküste über dem Meer
Die Klippen des Cap Canaille

Zwar ist die Klippenwanderung hier nicht ganz so spektakulär wie etwa eine Wanderung an den Cliffs of Moher in Irland, aber trotzdem ist es ein wunderschönes Erlebnis. Auf kleinen Pfaden ließ es sich ausgezeichnet entlang der Küste wandern, zum Teil auch mit einigen steilen Steigungen und Abstiegen. Weniger schön und spektakulär war dann wieder der letzte Teil der Wanderung innerhalb von La Ciotat, als es auf Asphaltstraßen bis zum Hafen ging.

Montagne Sainte-Victoire / Croix de Provence

Gar nicht weit von Marseille entfernt liegt Aix-en-Provence. Von dessen Vorort Vauvenargues aus lässt sich eine spektakuläre Wanderung auf den Montagne Sainte-Victoire unternehmen.

Start- und Endpunkt meiner Wanderung war das Château de Vauvenargues. Von dort aus ging es erst auf kleinen Pfaden, dann auf einer Art Forstweg am Fuß des Montagne Sainte-Victoire entlang. Schließlich begann bei der Landstraße D10 der mitunter recht steile Aufstieg. Nach dem Aufstieg bin ich recht schnell am höchsten Punkt des Montagne Sainte-Victoire, dem 1.011 Meter hohen Pic des Mouches, angekommen. Die Belohnung für den Aufstieg war ein großartiger Rundumblick.

Mal direkt auf dem Kamm, mal etwas abseits des Kammes, führte mich der Wanderweg über den Montagne Sainte-Victoire. Anfangs war der Wanderweg noch ein klar erkennbarer und markierter Pfad, im späteren Verlauf war der Wanderweg nicht immer so deutlich sichtbar. Doch Steinmännchen haben mir immer wieder die richtige Richtung angezeigt. Und auch wenn es auf dem Montagne Sainte-Victoire selbst nicht mehr viele Steigungen gab, war der Weg doch aufgrund seiner Beschaffenheit doch recht anstrengend: Der Untergrund ist felsig, zwischen den einzelnen Felsen wächst Gras. Hier die richtigen Schritte zu finden war wirklich mühselig. Dafür wurde ich aber immer wieder mit spektakulären Ausblicken auf die umliegende Gegend und die Felsformationen belohnt.

Quasi am Ende des Montagne Sainte-Victoire erreichte ich dann den markantesten Punkt der Wanderung, das auf einer Höhe von 950 Metern gelegene Croix de Provence. Erneut kann man hier wundervolle Ausblicke genießen. Unmittelbar hinter dem Croix de Provence begann dann der Abstieg. Vorbei an der Prieuré Sainte-Victoire führte mich der Weg steil bergab zurück nach Vauvenargues.

Rund um das Château Pastré

Im Gegensatz zu den anderen Wanderungen rund um Marseille war diese recht kurze Rundwanderung um das Château Pastré wenig spektakulär. Die Wanderung war allerdings auch nur ein „Notprogramm“ für mich, da es an diesem Tag heftige und ausgiebige Regenfälle gegeben hat. Eine etwas längere Regenpause konnte ich so immerhin gut nutzen.

Anfangs führte mich die Wanderung durch den Park Montredon und dann am Canal de Marseille entlang. Weiter ging es bis in die Ausläufer der Calanques mit einem schönen Ausblick über Marseille. Danach folgte der teilweise recht steile Abstieg hinab zum Château Pastré und durch den Park Montredon ging es zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung.

Überblick über die Stadt Marseille
Ausblick auf Marseille

Für eine Regenpause war diese Rundwanderung ganz nett, die übrigen Wanderungen meine Wanderreise waren aber definitiv schöner und auch anspruchsvoller.

Le Garlaban

Direkt vor der Toren Marseilles liegt das Massif du Garlaban. Auch hier lässt es sich wunderschön wandern – ich bin dort eine Rundwanderung von La Treille aus gegangen.

Die Wanderung führte größtenteils über steinige Wege, mal breit wie ein Forstweg, mal über schmale Fußpfade. Es gab ein paar Auf- und Abstiege, allerdings keiner davon übermäßig steil oder anspruchsvoll. Unterwegs hat man einige schöne Ausblicke in die umliegende Gegend, auf Marseille und bis zum Montagne Sainte-Victoire. Außerdem führte mich der Weg an einer kleinen Höhle vorbei, die allerdings wirklich nur klein und unspektakulär ist.

Der Höhepunkt der Wanderung war der 714 Meter hohe Berg Garlaban. Der Aufstieg dort hinauf ist relativ steil, aber gut schaffbar. Vom großen weißen „Gipfel“kreuz aus hat man einen wundervollen Rundumblick bis zu den Calanques, dem Cap Canaille und zur Côte Bleue.

Steinige Landschaft mit einem großen weißen Kreuz
Das große weiße „Gipfel“kreuz auf dem Garlaban

Zum Abschluss des Wanderurlaubs hatte ich hier noch einmal die Gelegenheit, alle Wanderungen Revue passieren zu lassen. Allerdings nicht zu lange, denn ein trotz strahlendem Sonnenschein wehender eiskalter Wind hat mich schließlich wieder vom Berg hinab und zurück nach La Treille getrieben.

Praktische Tipps

Planung: Bei der Planung der meisten Wanderungen hat mir ein Reise- und Wanderführer von Uli Frings gute Dienste geleistet. Eine wahre Fundgrube für Wanderungen ist außerdem die Seite Visorando, allerdings sind viele Wanderungen bzw. deren Beschreibungen nur auf Französisch verfügbar.

Zeitpunkt: Mein Wanderurlaub war Ende März / Anfang April und es war optimales Wanderwetter. An einigen Tagen war es schon ziemlich warm, aber nie zu warm für eine Wanderung; geregnet hat es nur an einem Tag. Frühjahr und Herbst sind empfehlenswert, im Sommer dürfte es für große Wanderungen zu heiß sein, da auf vielen Wanderwegen wenig bis gar kein Schatten vorhanden ist. Zudem kann es stellenweise Betretungsverbote wegen Brandgefahr geben.

Anreise: Ich bin mit dem Flugzeug nach Marseille gereist, aus dem Norden Deutschlands ist das der schnellste, einfachste und günstigste Weg. Als Alternative (vor allem vom Süden Deutschlands aus) gibt es auch eine direkte TGV-Verbindung von Frankfurt nach Marseille.

Mobilität: Die her beschriebenen Wanderungen lassen sich alle per öffentlichem Nahverkehr von Marseille aus erreichen. Ein Auto bzw. Mietwagen wird nicht zwingend benötigt. Ist man mit der Bahn unterwegs, empfehle ich den Ticketkauf mit der SNCF-App, da es an vielen kleinen Bahnhöfen (z.B. entlang der Côte Bleue) und in den Zügen keine Fahrkartenautomaten gibt.

Sprache: An den touristischen Punkten, z.B. beim Fahrkartenkauf für den Frioul-If Express, kommt man mit Englisch gut klar. Schwieriger wird es, wenn man beispielsweise den Busfahrer etwas fragen möchte. Grundkenntnisse in Französisch können dann sehr hilfreich sein. Mitunter bieten aber auch (junge) Franzosen in der Nähe von sich aus an zu übersetzen, wenn sie merken, dass es ein Problem gibt.

Sicherheit: Bei Marseille schwingt noch immer ein Vorurteil von Gefahr und Kriminalität mit. Ich persönlich muss aber sagen, dass ich mich in Marseille nicht unsicherer als in den meisten anderen Großstädten gefühlt habe. Die üblichen Verhaltensregeln sollte man natürlich beachten.

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